Hach, ich liebe Eure Mutmaßungen!
Und ich kann Euch versprechen: Sie werden Euch noch eine Weile begleiten!

Aber irgendwann wird Hannah, und damit auch Ihr, schon erfahren, wer Lonely ist.
12. Kapitel
Ich unterhielt mich noch eine Weile mit Mats. Schliesslich ging Rocco mit ein paar anderen Musikern auf die Bühne und legte los.
Begeistert standen wir auf und tanzten und sangen mit, so gut wir konnten. Barbie nahm mich beiseite.
„Rocco hat endlich einen Auftrag bekommen. Er soll für so ´nen Werbefuzzi was komponieren.“
„Hey, das freut mich aber für ihn. Wird ja auch Zeit, dass er mit seiner Musik endlich mal ´n bisschen Geld verdient.“
Barbie beobachtete Rocco voller Stolz. Ich lachte still in mich hinein.
Auch, wenn die Stimmung zwischen Sandro und Tom ziemlich gespannt war, wurde es doch ein schöner Abend. Irgendwann wurde es Zeit, nach Hause zu fahren. Schliesslich mussten wir alle am nächsten Morgen früh raus.
„Das war ein netter Abend.“, stellte Sandro fest, als ich den Wagen in die Einfahrt fuhr. „Und es war schön, Deine Freunde kennenzulernen.“
Während ich ausstieg und abschloss, kam er um den Wagen herum.
„Danke für den Abend.“, wiederholte er leise und strich mir über die Wange. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Würde er mich endlich wieder küssen? Ich sehnte mich danach. Aber war es richtig, sich darauf einzulassen? War es nicht besser, ihn auf Abstand zu halten?
Er sah mir tief in die Augen. Mit klopfendem Herzen hielt ich seinem Blick stand. Langsam beugte er sich zu mir herüber. Wie paralysiert starrte ich auf seine Lippen.
„Ja! Endlich wird er mich küssen!“, jubelte eine innere Stimme.
„Nein! Lass es nicht zu! Es ist zu früh!“, tönte die Stimme der Vernunft gleich hinterher.
Im letzten Moment drehte ich den Kopf zur Seite, so dass sein Kuss auf meiner Wange landete. Bedauernd sah er mich an.
„Gute Nacht, Cara.“
„Gute Nacht.“
Traurig sah ich ihm hinterher.
„Dusselige Kuh!“, sagte meine innere Stimme. „Du könntest jetzt gerade in seinen Armen liegen.“ Die Stimme der Vernunft schwieg; wahrscheinlich hatte es ihr die Sprache verschlagen.
Ich war noch so aufgedreht und so traurig, dass ich nicht schlafen konnte. Also schaltete ich mein Laptop ein. Lonely war ebenfalls noch online.
Lonely: „Hey, mit Dir hab ich ja gar nicht mehr gerechnet. Was ist los? Kannst Du nicht schlafen?“
Buttercup: „Nein. Ich bin zu aufgedreht und irgendwie traurig und ...... naja, es geht einfach noch nicht. Und Du?
Lonely: „Dito. Was ist los? Willst Du drüber reden?“
Buttercup: „Nein, ehrlich gesagt nicht. Und Du?“
Lonely: „Nein, lieber auch nicht. Es gibt Sachen, die muss man einfach mit sich selber ausmachen.“
Buttercup: „Ich weiss nur zu gut, was Du meinst.“
Lonely: „Dann war Dein Abend also nicht schön?“
Buttercup: „Doch, bis auf wenige Momente war er sogar sehr schön. Ach, ich bin einfach eine dusselige Kuh, die sich das Leben selber schwer macht!“
Lonely: „Nein, das glaub ich nicht. Du wirst Deine Gründe haben für das, was Du tust.“
Buttercup: „Ja, schon. Aber es ist so schwer, vernünftig zu sein. Und manchmal tut es echt weh.“
Lonely: „Hm, das stimmt. Mir geht es oft genau so. Aber ich bin mir sicher, wenn ich unvernünftig und überstürzt handeln würde, dann würde es später noch viel mehr schmerzen. Und vielleicht nicht nur mich, sondern auch noch jemand anderes.“
Buttercup: „Ja, genau das sage ich mir auch. Aber es tröstet nicht wirklich. Naja, wie dem auch sei, ich muss jetzt echt mal ins Bett. Es hat gut getan, mit Dir zu reden. Gute Nacht und bis morgen.“
Lonely: „Gute Nacht. Schlaf schön und träume süß!“
Ich schmunzelte. Lonely schwamm wirklich auf der selben Wellenlänge wie ich. Und manchmal hatte ich das Gefühl, er konnte meine Gedanken lesen. Natürlich würde ich träumen. Seit ich Sandro kannte hatte ich nahezu jede Nacht Träume. Träume, die mich bei Tageslicht sogar leicht erröten liessen.
Ich löschte das Licht und wollte hinübergehen ins Schlafzimmer, als mein Blick noch einmal aus dem Fenster fiel. Sandro schien auch nicht schlafen zu können, bei ihm brannte ebenfalls noch Licht. Ich trat ans Fenster und sah hinüber. Durch eines der Fenster konnte ich ihn sogar sehen. Er sass am Tisch. Nun stand er auf und ich sah sein Laptop. Wie witzig! Scheinbar war er auch noch im WorldWideWeb unterwegs.
Müde ging ich ins Bett und fiel bald darauf in einen traumreichen Schlaf.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Jeden Morgen fand ich eine rote Rose an meiner Windschutzscheibe. Nach der Arbeit machte ich meist noch Besorgungen und kümmerte mich um meinen Haushalt und meine Wäsche, abends unternahm ich dann etwas mit Sandro und den anderen. Jeden Abend chattete ich mit Lonely. Die Gespräche mit ihm taten mir unendlich gut. Nach und nach stellte sich heraus, dass wir sogar viele gemeinsame Interessen hatten. Wir hörten die gleiche Musik, liebten beide das Theater und bevorzugten die gleichen Schriftsteller.
Auf der einen Seite wurde ich immer neugieriger auf ihn. Ich würde ihn zu gerne einmal persönlich treffen. Wie sah er wohl aus?
Andererseits hatte ich Angst davor. Und es war ja auch eigentlich egal, wie er aussah. Die inneren Werte zählten; ich hatte noch nie mit jemandem so intensive Gespräche geführt wie mit ihm. Und das, ohne dass wir irgendwelche privaten Details voneinander wussten.
Freitag abend trafen wir uns wieder alle im Pub. Der Abend war lustig und entspannt. Nur Tom schien es nicht so gut zu gehen. Er trank eindeutig zu viel.
Wie inzwischen üblich fuhren Sandro und ich wieder gemeinsam nach Hause. Die Szenen neben meinem Auto war nahezu jeden Abend gleich. Sandro nahm mich zum Abschied in den Arm. Im letzten Moment drehte ich den Kopf, so dass er sich mit einem Kuss auf meine Wange begnügen musste. Jeden Abend lieferten sich die Stimmen in meinem Inneren ein verbales Duell; die Stimme der Vernunft wurde dabei von Abend zu Abend leiser.
Ich ging hinein und nahm mir einen Saft aus dem Kühlschrank. Gerade hatte ich mein Laptop eingeschaltet, als jemand klopfte. Erstaunt öffnete ich die Tür.