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Alt 21.09.2015, 16:39
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Kapitel 01 –

Mitbewohner gesucht

Als junger, aufstrebender Mann hatte man es manchmal nicht leicht. Isaac hatte es besonders schwer. Er war absolut schüchtern, ein totaler Newbie in seinem Job und er konnte grundsätzlich nie seinen Mund halten. Das hatte ihn schon einige Male in große Schwierigkeiten gebracht. Erst neulich musste Isaac lernen das Sätze wie „Das Kleid steht Ihnen wirklich gut, Frau Meier. Die Farbe passt perfekt zu ihren Krampfadern!“ nicht von jedem als Kompliment aufgefasst wurde. Ganz besonders nicht von Frau Meier. Die fand das alles überhaupt nicht komisch und setzte Isaac kurzerhand vor die Tür. Wie sie das hatte so einfach tun können? Nun, Isaac hätte mit diesem Satz lieber bis nach der Unterzeichnung des Mietvertrages warten sollen.
Nun hatte Isaac den Salat: Allein in einer fremden Stadt und das auch noch ohne ein vernünftiges Dach über dem Kopf. Dauerhaft im Auto zu schlafen war definitiv keine Lösung. Schon gar nicht wenn man es sich auch noch mit einem vierbeinigen Freund teilen musste der mehr Haare verlor als er produzierte.
Was blieb Isaac also anderes übrig als sich nach einer neuen Bleibe umzusehen? Leider war es mit bezahlbaren Wohnungen in Moonlight Falls nicht sehr gut bestellt. Viele Menschen in der Stadt hatten Eigenheime und Mietwohnungen waren selten. Isaac hatte große Probleme damit etwas passendes zu finden. Mal waren die Wohnungen zu klein, mal zu teuer und wenn es dann doch endlich einmal passte, dann waren keine Haustiere erlaubt. Auf gar keinen Fall würde Isaac sich von seinem Hund trennen. Kuroko gehörte zu ihm wie seine Männlichkeit. Ohne beides war sein Leben eindeutig nutzlos!

Nach langem studieren der städtischen Tageszeitungen fand Isaac dann aber doch ein Angebot das sich ziemlich vielversprechend anhörte. Das freie Zimmer hatte die richtige Größe, Haustiere waren ausdrücklich erwünscht und bis zur Arbeit wäre es auch nicht weit. Natürlich musste Isaac sich das ganze sofort genauer ansehen.
Als er jedoch mit seinem Auto in die richtige und finale Straße einbog wurde ihm ganz anders.

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Er sah nichts als prachtvolle Häuser, gepflegte Gärten und teure Autos. Hier konnte er doch unmöglich richtig sein oder?
Als Isaac schließlich an seinem Ziel angekommen war verschlug es ihm völlig die Sprache. Nur zögerlich stieg er aus dem Wagen. Kuroko folgte ihm schwanzwedelnd und hielt neugierig die Nase in den Wind. So viele neue Gerüche waren für ihn bestimmt ein richtiges Erlebnis.
Doch Isaac achtete nicht auf seinen Hund. Er bestaunte eher das Haus direkt vor ihm. Immer wieder verglich er die Zeitungsanzeige mit der aktuellen Adresse aber sie stimmte. Isaac kam das ganze komisch vor. Wollte ihn hier etwa jemand veräppeln?

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Isaac beschloss der Sache auf den Grund zu gehen und verschaffte sich Zutritt zum Grundstück. Kuroko folgte ihm neugierig. Während Isaac die wenigen Schritte bis zur Haustür zurücklegte kamen ihm leise Zweifel. In diesem Haus wohnte bestimmt eine alte, mörderische Oma. Niemand bei vollen Verstand und ohne Hintergedanken würde bei so einem Haus einen Mitbewohner suchen oder? Das Haus sah definitiv nicht billig aus und aus purem Geldmangel wurde hier sicherlich kein Mitbewohner gesucht. Isaac kam das alles einfach nur komisch vor. Noch ehe er die Haustür erreicht hatte, hatte er es sich anders überlegt und wollte wieder umkehren. Doch es war zu spät. Schwungvoll wurde die Haustür geöffnet und Isaac stand plötzlich einer schönen, jungen Frau gegenüber. Isaac verschlug es erneut die Sprache.

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Okay. Nur keine Panik. Dann war es eben keine, alte, mörderische Oma sondern eine junge, mörderische Frau. So hatte man immerhin noch etwas zum angucken bevor man grausam ermordet wurde. Das hatte doch auch was oder?
„Hi! Bist du wegen der Anzeige hier?“ fragte die hübsche Frau. Isaac nickte vorsichtig. „Super! Komm rein!“ Ohne Vorwarnung wurde Isaac an Handgelenk gepackt und von der Frau ins Haus gezogen. Etwas überfordert stolperte er hinter ihr her. Nun war sein Fluchtweg also abgeschnitten. Er hatte eigentlich nicht vorgehabt das Haus überhaupt zu betreten. Isaac hoffte inständig das sie ihn schnell umbringen würde. Alles andere würde seiner Männlichkeit sicherlich nicht gut tun. Vielleicht würde er aber auch Kuroko auf die Frau hetzen können? Besagter Kuroko war den beiden nämlich durch das ganze Haus, bis ins Wohnzimmer gefolgt und sah sich das Schauspiel freudig wedelnd an.
Die Frau schubste Isaac regelrecht auf das Sofa und wollte dann gerade etwas sagen, als sie Kuroko bemerkte.
Ihr Blick ruhte lange auf Isaacs Hund. Nachdenklich sah sie ihn an und wandte sich schließlich an Isaac. „Ist das dein Hund?“ fragte sie kurios. Isaac nickte bestätigend. Zu mehr war er nicht im Stande. Dafür wurde er eindringlich gemustert. „Bist du vielleicht stumm?“ wollte die Frau wissen. Isaac schüttelte den Kopf. „Also schüchtern?“ fragte sie weiter. Isaac zuckte entschuldigend mit den Schultern. Natürlich war er schüchtern. Ganz besonders in der Nähe von mörderischen Frauen. Zum Glück für Isaac konnte die Frau nicht Gedanken lesen und nahm diese Information deshalb relativ gelassen auf.
„Alles klar. Ich bin übrigens Emma Clarson und mir gehört dieses Haus.“ stellte sich die Frau endlich vor. „Mein Name ist Isaac Bennett.“ brachte Isaac mit etwas Mühe heraus. „Mein Hund heißt Kuroko.“ schob er gleich noch erklärend hinterher.
„Kuroko? Ein etwas komischer Name aber das ist okay. Ich liebe flauschige Dinge.“ sagte Emma und nahm vorsichtig Kontakt zu Kuroko auf. Kuroko gehörte nicht gerade zu den misstrauischen Hunden und so ließ er sich breitwillig von Emma anfassen.

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„Du bist also wegen dem Zimmer hier.“ stellte Emma noch einmal für sich fest. Isaac verzichtet darauf Emmas Aussage zu bestätigen.
„Das Zimmer befindet sich im ersten Stock. Es ist nicht sehr groß aber es sollte ausreichen. Du kannst in dem Raum machen was du willst. Hauptsache du hältst es wenigstens etwas sauber. Die anderen Räumlichkeiten stehen dir frei zur Verfügung. Der einzige Raum der Tabu ist, ist mein Schlafzimmer.“ erklärte Emma. Das war nun wirklich keine Überraschung. Die wenigsten Frauen wollten Isaac in ihrem Schlafzimmer haben.
„Willst du dir das Zimmer mal ansehen? Wenn es dir gefällt können wir dann ja gleich alles weitere besprechen. Isaac stimmte natürlich zu und gemeinsam gingen sie in den ersten Stock hinauf.

Das Zimmer war tatsächlich nicht sehr groß. Das lag aber nicht unbedingt an der Größe des Raumes sondern eher an dessen Inhalt.

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„Was ist denn in den ganzen Kisten?“ fragte Isaac verwundert nach. Emma kratzte sich ein wenig verlegen an der Wange, als sie antwortete.
„Och … nur ein paar Dinge die ich mir in den letzten Jahren ausgeliehen habe.“ antwortete sie leise. „Ausgeliehen?“ fragte Isaac irritiert. Emma nickte. „Ausgeliehen. Genau.“ nuschelte sie.
Isaacs Augenbrauen zogen sich nachdenklich zusammen. „Die Sachen sind geklaut oder?“ stellte er fest. Er war aber taktvoll genug um seine Feststellung wie eine Frage klingen zu lassen. Emma wurde ein klein wenig Rot im Gesicht und verschränkte abwehrend die Hände vor der Brust. „Geliehen! Sie sind geliehen!“ beharrte sie auf ihrem Standpunkt. Isaac zog daraufhin nur eine Augenbraue nach oben. „Okay. Dann eben geliehen. Warum bist du sie nicht einfach zurück?“
Diese Frage war zu viel. Emma hatte genug. „Willst du das Zimmer jetzt oder nicht?“ pflaumte sie Isaac an und machte damit klar das sie über das Thema nicht mehr reden wollte.
Isaac fand das ganze mehr als seltsam aber er brauchte ein Dach über dem Kopf und dieses Zimmer war das einzige weit und breit. Was blieb ihm also anderes übrig als es zu nehmen?


Emma war über diese Zusage natürlich mehr als nur erfreut. Gemeinsam setzten sie sich beide ins Wohnzimmer um die Details zu besprechen.
"Du hast bestimmt bemerkt das dieses Zimmer für dieses Haus und diese Gegend zu günstig ist oder? Das liegt daran das ich ein paar bestimmte Bedingungen an meinen Mitbewohner habe."
Isaac hörte Emma aufmerksam zu. Er würde alles machen. Nur keine Leichen beseitigen.

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"Als erstes musst du selber dafür Sorgen das dieses Zimmer bewohnbar ist. Du musst es also selber leer räumen."
Damit hatte Isaac grundsätzlich kein Problem aber ...
"Und was soll ich mit der Hehlerware machen?"
Emma blieb empört der Mund offen stehen. "Das ist keine Hehlerware! Das habe ich mir alles ausgeliehen und nicht mehr zurück gegeben. Das ist ein Unterschied!"
Langsam wurde es Emma wirklich zu bunt. Vielleicht sollte sie das Zimmer lieber an eine Horde Eichhörnchen vermieten? Weniger Stress und mehr zu knuddeln.
"Ich glaube mein Chef würde das anders sehen." bemerkte Isaac so ganz nebenbei. Er hatte Emma bisher nicht verraten was sein Job war.
"Ach? Was ist denn dein Beruf?" Nun war Emma doch neugierig geworden.
"Ich bin Polizist und will irgendwann Profiler werden. Du solltest dir ab sofort lieber nicht mehr so viele Dinge ausleihen." grinste Isaac. Er liebte seinen Job und war mächtig Stolz darauf die Ausbildung dazu geschafft zu haben.
Emma war das egal. Sie hatte andere Sorgen.
"Dafür das du angeblich schüchtern bist hast du doch ein ganz schön loses Mundwerk. Du bist ganz schön Frech!" Ob Emma das nun gefiel oder nicht stand noch in den Sternen.
"Ich kann nichts dafür. Ich kann grundsätzlich nicht meinen Mund halten. Da hat auch die Schüchternheit keine Chance." versuchte Isaac zu erklären. Emma seufzte nur.
"Lassen wir das." winkte Emma ab. "Ich habe noch mehr Bedingungen. Du solltest mir ab und zu Gesellschaft leisten. Ich bestehe auf einen festen Abend in der Woche. Ich bin nicht anspruchsvoll. Mir reicht ein guter Film. Am liebsten sind mir Horrorfilme." Beim letzten Satz geriet Emma regelrecht ins schwärmen.
Isaac allerdings wusste immer noch nicht was er von dieser ganze Sache halten sollte. Bisher waren die Bedingungen ziemlich einfach und definitiv machbar. Jetzt durfte Isaac das ganze nur nicht wieder versauen.

"Bist du einsam oder so?" rutschte es Isaac plötzlich heraus. Emma schnappte nach Luft. Wie war das noch gleich mit dem nicht versauen gewesen?
"Wenn du es genau wissen willst: Ja, das bin ich! Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht. Ihm ist aufgefallen das der Po meiner besten Freundin wohlgeformter ist als meiner!" blaffte Emma Isaac an.
Isaac zog schnell den Kopf ein.
Oha. Was für ein mega Fettnäpfchen. Das war ja noch schlimmer als die Sache mit Frau Meier.
"Tut mir leid." nuschelte Isaac leise. Er und sein verfluchtes Mundwerk.
Emma konnte nur noch seufzen. "Egal. Immerhin verspricht unsere gemeinsame Zeit unterhaltsam zu werden." Emma versuchte es positiv zu sehen. Vielleicht würde Isaac sie ja ein bisschen ablenken können?
"Eine Bedingung hätte ich noch. Ich bin sehr tollpatschig und mache gerne mal Sachen kaputt. Könntest du die reparieren?"
Isaac nickte. Das war wirklich einer seiner leichtesten Übungen.
"Okay. Wenn du gegen diese drei Bedingungen nichts hast, dann darfst du gerne mein Mitbewohner werden."

Isaac war nicht komplett verrückt und willigte natürlich ein. Noch am selben Tag unterschrieb der den Mietvertrag. Dabei stellte er auch gleich fest das Emma eine Katze namens Stiles hatte. Zum Glück kam Kuroko mit Katzen sehr gut aus.

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Isaac lernte an diesem Tag allerdings noch mehr. Zum Beispiel das Emma einen eigenen kleinen Garten hatte und eine selbstständige Gärtnerin war. Leider hatte der letzte Winter fast all ihre Pflanzen zerstört und so musste Emma diesen Sommer wieder ganz von vorne anfangen. Allerdings plante sie sich ein eigenen Gewächshaus zu bauen. Isaac würde ihr natürlich dabei helfen.

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So begann es also - das neue Leben von Isaac. Er hatte keine Ahnung was ihn erwarten würde aber eines wusste er ganz genau - es würde spannend werden.
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