Thema: Außenwelt
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Alt 21.09.2023, 15:19
Melonenkernchen Weiblich Melonenkernchen ist offline
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Standard Sharon

Nachdem Sharon dem Schwarzhaarigen ihre Gedanken erklärt hatte, schien der einen anderen Plan zu haben, der definitiv besser klang und mit weniger Risiko verbunden war! Vielleicht auch ein bisschen langweiliger, immerhin hätte die Vampirin auch gerne mal wieder einen Grund gehabt, ihre Fähigkeit einzusetzen, aber sicherer war wohl Katans Methode.
Sie nickte zustimmend, ließ sich von ihm die Haare wieder schwarz färben und schenkte ihrem Freund ein flüchtiges Lächeln, als der sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck betrachtete. Aber nun mussten sie sich beeilen! Sie wollte nichts von der Unterhaltung verpassen.
Deshalb machte sie sich auch schon auf den Weg in Richtung der Wachen und beobachtete gespannt wie diese sich urplötzlich in ihrem Kartenspiel verloren. Etwas zögerlich schlich die Brünette sich mit Katan an ihnen vorbei, schon darauf vorbereitet, von ihnen entdeckt zu werden. Aber tatsächlich schienen die beiden sie gar nicht zu beachten, sondern starrten gebannt auf die Karten in ihren Händen, der eine lachte sogar triumphierend, als er sein Deck auf den Boden schmiss.
Als sie also nun außer hörweite waren, sah Sharon belustigt zu den Älteren und meinte leise aber amüsiert: „Das war ja schon fast zu einfach!“
Auch Sharon bemerkte die vielen Türen in dem Komplex in denen sie sich befanden und spürte die noch lebenden Körper, die hinter diesen Türen verschlossen waren. Kurz fragte sie sich, weshalb diese wohl hier drin saßen. Aber dafür gab es wohl alle möglichen Gründe. Der Gedanke daran, wie lange sie hier wohl saßen und wie furchtbar ihr Leben im Moment wohl war, behagte der jungen Frau nicht und kurz überlegte sie, wie sie die Gefangenen retten konnte, oder ob sie sie vielleicht anderweitig von ihrem Leid befreien sollte.. aber gerade waren sie nicht für die Gefangenen hier, sondern um Informationen aus ihrer Mutter zu bekommen. Dieser kamen sie nun auch deutlich näher. Ihr Vater war auch nun befand sich, als sie zu der Tür kamen, auf die Katan gedeutet hatte, auch schon direkt vor dem Raum, in dem ihre Mutter gefangen gehalten wurde. Er hielt ganz offensichtlich einen Moment inne, um sich auf die bevorstehende Situation vorzubereiten und wie es aussah, war er doch ein bisschen aufgeregt. Zumindest war sein Puls deutlich höher, als er für einen Vampir sein sollte. Verständlich, wie Sharon fand. Immerhin würde er nun gleich ein Gespräch mit einer Frau führen, die er wohl mal geliebt hatte und von der er nur ein paar Stunden her die Familie getötet und mit der er vermutlich das letzte mal vor über 20 Jahren gesprochen hatte.
Während Katan ihren Plan erklärte, hörte sie aufmerksam zu. Es war erstaunlich, was der Mann mit seiner Fähigkeit alles machen konnte und sie fragte sich, ob sie wohl irgendwann mal den kompletten Umfang seiner Fähigkeit kennen würde. Er konnte Türen Geräuschdurchlässiger machen? Das war wirklich verrückt und Sharon kam nicht umhin ihm einen kurzen irritierten Blick zuzuwerfen, als er ihr das erklärte. Alles andere hingegen unterschrieb sie mit einem weiteren nicken in seine Richtung. Sie sah keinen Grund noch etwas hinzuzufügen und so sagte sie nichts weiter dazu. Es war ganz gut dass sie beide eine Fähigkeit hatten, bei der sie es recht schnell bemerken würden, wenn ihr Vater das Verließ verlassen wollen würde. Der schien sich mittlerweile so weit überwunden zu haben, nun die Tür zu der Zelle zu öffnen, in dem ihre Mutter lag.
Diese regte sich im ersten Moment gar nicht und schien nicht mal neugierig, wer sich in ihre Zelle gewagt hatte. Erst als ihr Vater ihren Namen nannte, zuckte sie heftig zusammen, ganz offensichtlich seine Stimme erkennend.
„Du hast dein Versprechen gebrochen..“ gab er ihr in einem ruhigen aber bestimmten Tonfall zu verstehen, während Sharon den beiden gebannt lauschte. Ihre Mutter antwortete nicht. Sie lag weiterhin zusammengerollt auf etwas, was vermutlich ihr Bett war und hielt ganz offensichtlich mit hämmerndem Herzen den Atem an.
„und du hast mir unsere Tochter verwehrt..“ erklärte er ihr weiterhin ruhig, aber mit etwas Nachdruck nach einem Moment der Stille, ganz so, als würde das rechtfertigen, was er mit der Familie von Sharon und ihrer Mutter getan hatte. Aber auch diese Worte entlockten ihrer Mutter nichts, die ganz offensichtlich noch immer schockiert darüber war, was heute Abend passiert war. Es folgte ein weiterer Moment der Stille. Umso überraschender war es, dass ihre Mutter dann doch von ihrer Wut gepackt wurde. „Du wagst es hier herzukommen!“ Nun drehte sie sich um und ging entschlossen auf ihren früheren Liebhaber zu. „Du wagst es herzukommen, nachdem was du getan hast. Was du meiner Familie angetan hast!“ Energisch schubste sie gegen den Mann, schlug ihn gegen die Brust, gegen die Schulter und in den Bauch, was, wie sich jeder denken konnte, dem Vampiren nichts anhaben konnte, aber wohl aus purer Verzweiflung ihrer Mutter geschah. „VERSCHWINDE, VERSCHWINDE, VERSCHWINDE!! ICH WILL DICH NIE WIEDER SEHEN!!“ brüllte sie in einer Tonlage, die verzerrt aus Schmerz und Tränen war. Emotionen, die Sharon den Hals zuschnürten und auch ihren Vater ließ diese Energie nicht kalt. Er trat einen Schritt zurück und sein Puls ging nochmal ein Ticken schneller. Da brach sie auch schon zusammen und ließ sich unter bebenden Tränen auf den Boden fallen. So ganz wusste Sharon nicht, was ihr Vater sich vorgestellt hatte, das es passieren würde. Aber offensichtlich war dieser dann doch überrascht über die Intensität der Gefühle, die es einer Frau bereitete, wenn man ihre Familie ermordete. Oder hatte er jetzt doch so viel Schuldgefühle, dass es ihm die Sprache verschlag? Selbst Sharon verschlug es den Atem, wie sehr ihre Mutter litt. Auch wenn sie sie zuvor ihrem Vater noch ausgeliefert hatte. Es blieb einen ganzen Moment ruhig, bis auf ihre Mutter, die auf dem Boden hockend winselte und jammerte. „Jennifer..“ in der Stimme des Vaters lag etwas Sanftes, schon fast als würde er sie trösten wollen. „Ich habe nie verstanden, warum du dich für ein Leben mit diesem Mann entschieden hattest, wenn ich dir doch so viel hätte bieten können. Ich will nur, dass du weißt, dass das noch nicht verloren ist! Ich bin noch hier, du kannst immer noch ein Vampir werden. Ich kann dir sogar deine Jugend zurückgeben!“ Er schwieg noch einmal, ganz so, als würde er darüber nachdenken, was er als nächstes sagen wollte. „Du hast noch eine Tochter und du hättest hier einen Neubeginn.“ Seine Stimme war weiterhin ruhig, wenn auch deutlich emotionaler als zuvor.
„Ich will kein Leben.. ich will sterben!“ brachte sie unter verzweifelten Tränen hervor und raufte sich die Haare. Eine weitere Aussage, die ihrem Vater die Sprache verschlag. Es fühlte sich an als würde die Luft vibrieren. Ihr weinen war unfassbar laut und bohrte sich erbarmungslos in Sharons Seele, so dass nun auch ihre Augen sich mit Tränen füllten.
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Sadness just wants to show how beautiful happiness is.
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