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  #1 (permalink)  
Alt 06.12.2015, 16:29
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Guten Abend ihr Lieben ^^

Wir befinden uns mitten in der Adventszeit, weswegen JurassicPark und ich uns gedacht haben, dass wir ein kleines Projekt starten wollen
Ich erlaube mir dazu JPs Text hier hinein zu kopieren, da wir letzte Woche schon etwas dazu in der Lounge gepostet hatten:

Zitat:
nun ist es soweit, die Tage werden kürzer und die Herzen der Menschen werden von Kerzen erhellt. Am gestrigen Tage sind wir den ersten Schritt Richtung Weihnachtsfest gegangen und haben den ersten Advent gefeiert. Adventus bedeutet Ankunft, die Erwartung auf die Geburt Jesu Christi, doch auch außerhalb von Glauben und Religion kann der Advent an Bedeutung für die Menschen gewinnen. Wenn wir uns umschauen, bemerken wir, wie viele Menschen diese Zeit als Stress und Last empfinden. Doch vielleicht können die nachfolgenden kurzen Stichpunkte zu Beginn der Adventszeit uns dazu verhelfen uns darüber Gedanken zu machen, worauf es am Ende wirklich ankommen könnte:

Advent
  • A – annehmen, auch den, der dir nicht passt
  • D – da sein füreinander
  • V – vertrauen, dass alles gut wird
  • E – entdecken, was wichtig ist
  • N – neu beginnen, auch wenn du gestern gescheitert bist
  • T – tragen helfen denen, die deine Hilfe brauchen
(Autor: Unbekannt)

Wenn wir uns diese sechs Stichpunkte anschauen und jeden Tag versuchen, zumindest einen zu verwirklichen, kann dies eine große Bereicherung in unserem Leben darstellen. Und um Bereicherung geht es auch im Nachfolgenden. Die Forenbenutzerin Saturna und ich haben überlegt, so wie Saturna im vergangenen Jahr, wieder für jede Adventswoche einen kurzen Text zu schreiben und hier zu veröffentlichen. Das wochenübergreifende Motto unserer Geschichten orientiert sich an dem gleichnamigen Film „Soweit die Füße tragen“, auch dort überwindet ein Mensch Ängste und Gefahren, die nicht nur gesellschaftlich bedingt sind, um ein Ziel zu erreichen. Das Motto meiner Geschichte lautet „Aufbruch“, in der nächsten Woche folgt dann ein Text von Saturna...
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Lukinya (06.12.2015)


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Alt 06.12.2015, 16:30
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Hier ist JurassicParks Geschichte unter dem Thema "Aufbruch"
Diese erschien bereits am ersten Advent, doch wir veröffentlichen sie hier erneut. Danach wird meine für den zweiten Advent folgen.
Viel Spaß ^^


Aufbruch - Der erste Advent


Vor wenigen Stunden erst war er davon gelaufen, geflohen vor der Ungerechtigkeit dieser Welt, doch schon nach kurzer Zeit hatte er jegliches Zeitgefühl verloren, die Stunden kamen ihm mittlerweile wie Tage vor, wenn nicht gar wie Wochen. Vor ihm breitete sich eine Eiswüste aus, wohin er auch schaute, überall türmte sich der Schnee, verdeckte Steine und Zweige und raubte den Pflanzen die Lebensgrundlage, nur wenige Geschöpfte konnten an diesem Ort dauerhaft überleben. Nun blies der Wind im Schnee ins Gesicht und ließ ihn erzittern. Sein Blick reichte keine hundert Meter weit und die Kleidung die er auf seiner weiten Reise trug glich eher einem Flickenteppich.

Die letzten Kraftreserven seines Körpers waren schon vor vielen Stunden versiegt, einzig sein eiserner Wille am Leben zu bleiben hielt ihn noch aufrecht und gaben ihn die Kraft weiterzugehen, doch im Laufe der letzten Stunden hatte sich ein tiefer Wunsch manifestiert, er wurde von seinen Synapsen weitergeleitet und verbreitete sich wie ein Lauffeuer, dieser Wunsch ließ ihn zögern und seine Schritte noch schwerer werden, es war der Wunsch, wieder in seiner engen Zelle zu sein, seiner Zelle, aus der er in einem Anflug von Idiotie geflohen war, um der Folter und dem Leiden zu entkommen. Seine Gedanken schweiften zu all den Menschen, die er dort zurückgelassen hatte und eine Woge der Schuldgefühle drohten ihn zu überwältigen. Seine Gedanken wanderten zu all jenen, die er zurückgelassen hatte und die nun unter seinem Egoismus zu leiden hatten. Eine Träne rann seine Wange hinab, doch schon auf dem Wege zum Erdboden gefror sie auf seiner Haut. Wie hatte er nur annehmen können, zu flüchten und lebend sein Ziel erreichen zu können? Es gab noch immer keine Anzeichen dafür, dass er verfolgt wurde. Es war anzunehmen, dass die Aufseher davon ausgingen, dass ein Flüchtling in dieser Eiswüste früher oder später sterben würde, erfroren aufgrund seiner eigenen Dummheit, dem kalten Tod einer warmen, engen Zelle vorzuziehen, in der es alle drei Tage eine kalte Mahlzeit gab.

Der starke Wind und sein geschwächter Zustand ließen ihn immer wieder zu Boden gehen, doch jedes Mal erhob er sich wieder, jedes Mal war es jedoch schwerer, zu gerne wäre er einfach liegengeblieben und hätte auf seinen kommenden Tod gewartet. Er fand keine Höhle, nichts, wo er sich vor den Elementen hätte verstecken können und so blieb ihm lediglich die Einbahnstraße seines bald endenden Lebens. Seine Lethargie wurde unerwartet von einem Licht unterbrochen, das durch den Schneesturm drang und ihn blendete. Kurz schützte er seine Augen, ehe er sich aufmachte, den Ursprung des Lichtes zu erreichen. Was sich dahinter verbarg fragte er sich nicht, ob es eine Halluzination, die bisher ausgebliebenen Verfolger oder etwas anderes war, war ihm vollkommend gleich, es war jedoch die einzige Möglichkeit, die er zurzeit hatte.

Schwerfällig stapfte er auf das Licht zu und als er die Quelle dessen erreichte, was das Licht ausgesendet hatte, war seine Überraschung nur noch größer. Es war ein in Lumpen gehüllter man, der sichtlich fror und dennoch oder gerade deswegen, eine unerschütterliche Ruhe ausstrahlte. Der Mann blickte den Fremde an und ohne zu zögern zog er den Überwurf den er am Laibe trug aus und riss ihn in zwei, er teilte das wenige das er besaß und das ihn selbst kaum vor der Kälte schützte. Während der Schneesturm langsam abflaute versuchten sie sich gegenseitig zu wärmen.

Es kam unerwartet, doch der Mann begann zu reden und fragte ihn ständig Dinge, machte ihn auf Sachen aufmerksam, die er zwar wusste, bisher jedoch ignoriert hatte, die Himmelsrichtungen oder das Beschaffen von Nahrung. Und wie von allein begannen miteinander zu reden und setzten gemeinsam ihren Weg fort, der Fremde entfachte ein Feuer in dem Mann. Zunächst war es klein und unscheinbar, doch rasch wuchs es und ließ ihn wieder aufleben. Mit neuer Kraft gestärkt wanderten sie weiter, viele Tage und Nächte, doch nun hatte er das Gefühl, dass er es doch schaffen würde, es würde lange dauern und sie würden viele Rückschläge erdulden müssen, doch ihr Ziel war zu schaffen.

Ein neuer Tag brach an, sie standen bereits früh auf und begannen ihren mühseligen Marsch durch den hohen Schnee, einen Schritt vor den anderen setzend. Doch sie unterhielten sich, tauschten sich auf, erinnerten sich an ihre eigenen Stärke. Und so erreichten sie einen Hang, der Mann wollte außen herum, doch der Fremde appellierte an ihm, hinaufzusteigen und die Landschaft ringsum zu betrachten, vielleicht würde er etwas Nützliches dabei entdecken. So erklommen sie gemeinsam den Hügel und was der Mann vor sich sah, ließ ihn die Sprache verschlagen. In der Ferne sah er eine Stadt, sie war noch weit weg, er konnte nur undeutliche Schemen erkennen, aber er wusste, es war nicht mehr weit, sie hatten ein Ziel vor Augen. Wäre er nicht auf den Hügel geklettert und hätte er nicht die Landschaft abgesucht, wäre er womöglich an der Stadt vorbeigegangen. Unendliche Erleichterung breitete sich in ihm aus, er wandte sich um, wollte den Fremden, dessen Name er bisher nicht in Erfahrung bringen konnte, danken, doch als er sich umwandte, war dieser nicht zu sehen. Erschrocken starrte er den Hügel hinab, doch auch dort war kein Anzeichen von Leben. Verwirrt sah er sich um und hielt verwundert inne. Aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, sah er lediglich eine Spur, schnell kletterte er den Hügel hinab und auch aus der Nähe konnte er keine zweite Spur erkennen. Dies erschreckte den Mann sehr, er rief noch einmal nach dem Fremden, erhielt jedoch, wie er es erwartet hatte, keine Antwort.

Auch wenn der Mann nicht wusste, ob er sich seinen Begleiter bloß eingebildet hatte, ob er ein Bote des Himmels war oder etwas völlig anderes, war ihm dankbar, dankbar dafür, dass er ihm den Glauben an seine eigenen Stärken zurückgegeben hat.
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Lukinya (06.12.2015), Schattenfell (08.12.2015)
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Alt 06.12.2015, 16:36
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Hier ist nun meine Geschichte, die unter dem Thema "Nicht aufgeben" steht ^^
Viel Spaß!

Nächste Woche folgt wieder ein Text von mir

Nicht aufgeben - Der zweite Advent


Schon seit Tagen quälte mich die Ungewissheit, die Angst, die sich tief in meinem Körper verwurzelt hatte und mein Herz dumpf, aber kontinuierlich zusammendrückte. Seit sie uns mit Pistolen bewaffnet auf das kleine Boot gedrängt hatten, dessen Motor den Anschein erweckte, er könnte jeden Moment seinen Geist aufgeben und uns dem sicheren Tod überlassen. In der schwarzen Brühe, die unerlässlich gegen den Bug des Schiffes peitschte. Gut 200 Menschen saßen darin, vielleicht sogar 300 und wir hockten so eng zusammen, dass ich den Körper meines Hintermanns im Rücken spürte. Ich malte mir aus, wie es sein mochte, wenn wir umkippten und sich die Wellen des Mittelmeeres über unseren Köpfen zusammen schlugen. Das Salzwasser würde uns in den Lungen brennen und wir würden ertrinken, weit weg von der Küste inmitten der Dunkelheit. Niemand würde uns vermissen. Wir alle waren uns der Gefahr bewusst gewesen, auch die Jüngsten unter uns, die sich ängstlich an ihre Mütter klammerten, die selbst aber nicht mehr wussten, wie sie ihre Furcht verheimlichen konnten. Doch warum taten wir es trotzdem? Warum begaben wir uns auf diese riskante Reise in eine Welt von der wir nur wussten, dass es dort schön sein musste?
Die Antwort lag auf der Hand.
Es war Hoffnung.
Auf ein besseres Leben für deine Kinder. Für dich selbst.
Und doch bahnten sich die Zweifel immer wieder einen Weg in meinen Kopf, der kaum mehr einen klaren Gedanken fassen konnte. Würden wir je das Ufer erreichen? Und was war dann?
Während ich versuchte meine Angst zu unterdrücken, schwappte erneut dunkles Wasser ins Boot, das im fahlen Mondschein glitzernde Spuren hinterließ. Ein Baby begann zu schreien, denn es war nass geworden. Doch es war nur eines von vielen, die bereits vor Hunger oder Durst weinten. Uns war allen nach Weinen zumute, aber wir waren zu erschöpft, schon zu viele Tränen waren vergossen worden.
Plötzlich kam ein kräftiger Wind auf, sodass das kleine Fischerboot zur Seite trieb. Ein unterdrückter Aufschrei ging durch die Menge, als das Schiff sich nach rechtes lehnte, aber gleich danach wieder in seine ursprüngliche Position zurückkehrte. Erleichtert atmete ich auf, doch dann zerrte abermals eine Böe an dem alten knirschenden Blech. Wir fielen nach vorne, während wir erschrocken aufschrien. Mein Herz klopfte so laut, dass ich meinte, ich könnte es sogar durch den immer lauter werdenden Wind hören. Ich hatte bereits den sicheren Tod vor Augen …
Dieser Gedanke kam mir in den nächsten Stunden, in denen unser Boot von dem Sturm umher geschubst wurde, immer wieder, doch jedes Mal trotzte das kleine Schiff den Wellen. Wir waren die Marionette des Windes, die sich seinen Willen beugten. Er spielte mit uns, wie eine Katze mit ihrer Beute. Er wollte uns nicht erlösen und zerrte mit langen Fingern an unseren Kräften und an unserer Psyche.
Ich war kurz davor mich zu übergeben, als es schließlich passierte. Ich wusste nicht, wie lange wir diese Höllenqualen ausgestanden hatten. Wie oft wir einklemmt zwischen zwei Personen ausharren mussten oder wie oft ein Schrei unter den vielen anderen untergegangen war. Das kleine Fischerboot, das solange ausgehalten hatte, kippte um. Und mit ihm, alle Menschen, die sich darauf befanden. Der Wind pfiff mir in den Ohren und übertönte alle anderen Geräusche. Die schwarze Wasseroberfläche kam unaufhaltsam näher, bis ich schließlich eintauchte. Meine Ängste wurden Wirklichkeit
Vom Toben des Windes war zwar kaum mehr etwas zu hören, doch verschwommen konnte ich von hier unten noch die Wellenbewegungen wahrnehmen, die er erzeugte. Ich versuchte irgendwo Halt zu finden, doch das einzige, dass ich ertasten konnte, waren die Arme eines anderen Ertrinkenden. Immer heftiger strampelte ich, um der Oberfläche ein Stück näher zu kommen, doch jedes Mal wurde ich wieder weg gespült. Oft gegen einen anderen, der ebenfalls um das Überleben kämpfte.
Meine Wille brachte mich jedoch dazu weiterzumachen, auch wenn meine Kräfte mit jeder Bewegung schwanden.
Mir wurde bewusst, dass die Lage hoffnungslos war. Ich war dem Tod geweiht und würde hier mein Grab finden. Genauso wie die anderen, die mit mir im Boot gesessen hatten. Bei dieser Erkenntnis erstarrten meine Glieder, ich hing reglos im Wasser. Die kleinen Bläschen, die eben noch um mich herum getanzt waren, lösten sich auf und ließen mich zurück. Hier würde ich also sterben, hatte meinen einzigen Versuch vertan auf ein besseres Leben für mich und vor allem für meine Familie. Sie würden nicht einmal wissen, was mit mir geschehen war. Es tat weh, sie zurücklassen zu müssen.
Die Luft in meiner Lunge wurde immer knapper, mein ganzer Körper schrie nach seiner Lebensenergie, doch ich wand mich. Ich wollte jetzt so schnell sterben wie möglich. Dieser Welt entfliehen. Gerade als die Ohnmacht ihre gierigen Finger nach mir ausstreckte, bemerkte ich zwei Lichter an der Wasseroberfläche. Sie waren nicht sonderlich hell, doch etwas in mir, zwang mich dazu nach oben zu schwimmen, auch wenn ich nicht wusste, was es war. Auf einmal war meine ganze Energie zurückgekehrt und ich ruderte mit kräftigen Bewegungen nach oben. Dass das Salzwasser in meinen Augen brannte, störte mich nicht. Ich schimpfte mich in Gedanken einen Dummkopf, so schnell aufgegeben zu haben. Ich streckte den Arm aus, spürte schon wie mich kühle Luft empfing und alle meine Sinne hatten wieder ihren Platz bei mir gefunden. Ein Motorgeräusch drang an mein Ohr und meine Hoffnung wuchs.
Mein Kopf durchbrach die Wasseroberfläche.
Und das erste was ich sah, war das Schiff der Küstenwache.
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Alt 13.12.2015, 16:14
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Das Ziel nicht aus den Augen verlieren - der dritte Advent

Schon den ganzen Abend lief Thomas in der Wohnung hin und her. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die Augen starr auf den Boden gerichtet, setzte er einen Fuß vor den anderen und lauschte dabei den Nachrichten, die alle paar Minuten aktualisiert wurden. Auf seiner Stirn hatten sich bereits Schweißperlen gebildet. Zum gefühlt hundertsten Mal betrat er den Wohnbereich, nach dem er vom Esszimmer über die Küche seinen endlos scheinenden Gang ständig wiederholte. Seine Augen ruhten kurz auf dem Bildschirm des Fernsehers, auf dem ein Nachrichtensprecher zu sehen war, dann drehte er sich wieder um und begann seinen Marsch von neuen. Nichts von dem, das der Mann gesagt hatte, hatte er sich gemerkt, zu weit war er in die Schlucht seiner eigenen Gedanken gefallen. Es war als wäre in seinem Kopf eine Leere, als wären alle seine Synapsen abgeschaltet worden, damit er seine Sorge nicht mehr ertragen musste.
Seine Bewegungen, wie das Greifen nach dem Telefon, waren bereits Routine geworden. Erneut tippte er die Handynummer seiner Freundin ein. Er wusste, was passieren würde, doch er tat es immer und immer wieder. Er hielt sich den Hörer ans Ohr und wartete auf die monotone Frauenstimme, die ihm erklärte, dass der gewünschte Kommunikationspartner zurzeit nicht erreichbar wäre. Und so war es auch dieses Mal. Er spürte schon gar keine Enttäuschung mehr, nur noch, wie seine Zuversicht schwand. Doch plötzlich läutete es an der Tür, er hatte es ganz deutlich gehört! Erst erschrak er, dann baute sein Gehirn nach und nach die Puzzleteile zusammen und er stolperte in den Flur und wäre beinahe auf die Nase geflogen, als er seine Haustür aufriss. In ihm brodelte die Hoffnung. „Flavia?“, rief er und sah nach links und nach rechts.
Doch es stand niemand in dem kalten dunklem Treppenhaus.
Er hatte es sich nur eingebildet.
Zutiefst enttäuscht und wütend auf sich selbst, trottete er zurück in seine Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Noch trauriger als vorher setzte sich Thomas wieder vor den Fernseher und ließ sich erschöpft in die Kissen sinken. Im Moment konnte man das Gesicht eines Mannes erkennen, von dem man vermutete, dass er ein Teil des schrecklichen Ereignisses gewesen war. Thomas spürte, wie die Wut und der Hass weiter in ihm anschwoll. Aber nicht auf ihn, sondern auf Menschen, die zu so grauenhaften Taten fähig waren. Er konnte es nicht verstehen. „Warum?“, flüsterte er, während sich seine Finger in ein blaues flauschiges Kissen gruben.
Flavia hatte es immer auf dem Schoß gehabt, wenn sie zusammen einen spannenden Flim sahen.
Sie war die einzige seiner Bekannten, die nicht ans Telefon gegangen waren. „Warum?!“, schrie dieses Mal schon fast und er kniff seine Augen zusammen, um die Tränen zurück zu halten. Doch es half nichts, sie flossen zahlreich über seine Wangen und tropften auf sein Shirt und seine Hände. Ein Schluchzen ließ seinen Körper aufbeben. Er konnte nicht mehr denken, die nächste halbe Stunde weinte er einfach, er wurde immer wieder von seinem Heulkrampf gebeutelt. Thomas wollte nicht mehr aufhören, sondern alles aus ihm heraus waschen.
Auf einmal klingelte das Telefon. Er glaubte nicht mehr daran, dass es Flavia war, also ließ er sich Zeit und erhob sich erst nach ein paar Augenblicken stöhnend aus den Polstern. Während er in die Küche zum Telefon lief, wischte er sich die Tränen aus den Augen. Er atmete tief ein und nahm das Telefon. „Hallo?“, sagte er leise.
„Gott sei Dank, gehst du dran! Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dir sei etwas zugestoßen!“, sagte eine Stimme am anderen Ende Leitung. Thomas erkannte sie, es war die seiner Schwester Amelie, die zum Studieren ins Ausland gegangen war. Sie sahen sich nur sehr selten „Nein, nein, mir geht es gut... Alles in Ordnung“, erwiderte er und versuchte so gut, wie möglich zu vertuschen, wie schlecht es ihm ging. Er verstand sich gut mit seiner Schwester, aber im Moment wollte er einfach allein sein und nicht, dass sie sich ebenfalls schlecht fühlte. „Ich bin so erleichtert!“, fuhr diese fort, „ich habe es eben erst in den Nachrichten gehört! Das ist alles so schlimm! Ich hatte solche Angst um dich...“ Thomas schwieg, denn er wusste nicht, wie er etwas sagen konnte, ohne ihn Tränen auszubrechen. „Ist wirklich alles okay?“, fragte Amelie nach einer Weile. In ihrer Stimme schwang Besorgnis, „ist einem deiner Freunde doch etwas passiert?“
Damit traf sie genau auf seinen wunden Punkt... Er begann abermals zu weinen und sank dabei immer weiter in die Knie, bis er sich mit dem Kopf auf dem Küchentisch abstütze. „Oh nein...“, flüsterte sie und eine Zeit wusste sie offensichtlich nicht, was sie sagen sollte. „Willst du mit mir darüber sprechen?“, sagte sie leise und man konnte deutlich hören, dass sie die Nachricht sehr getroffen hatte. „N-nein, Amelie, ich danke dir, aber ich möchte für mich allein sein...“, presste der junge Mann hervor, bevor ihn ein Schluchzer erzittern ließ. „Okay...“, antwortete seine Schwester „ruf mich an, wenn du es dir anders überlegst. Und Thomas...?“
„Hmm?“
„Egal wer es ist, du darfst nicht vergessen, dass dein Leben weitergeht. Vielleicht nicht sofort in seinen gewohnten Bahnen. Aber eines Tages wird es so sein und ich weiß, dass du die Stärke hast, weiterzumachen. Bitte werde nicht blind vor Hass und Trauer! Ich hab dich lieb!“ Und mit diesen Worten legte sie auf. Thomas fühlte sich besser, nach dem kleinen Gespräch, aber er wäre nicht in der Lage gewesen ein längeres zu führen. „Danke“, sagte er und erhob sich langsam vom Boden.
Als er an diesem Abend zu Bett ging, auch wenn er wusste, dass er nicht schlafen konnte, sah er davor noch aus seinem Schlafzimmerfenster. Die Stadt schien so friedlich unter dem Himmelszelt auf dem man sogar ein paar Sterne erblicken konnte. Trotz der hellen Lichter der Häuser und Laternen. Er stand eine Weile so da, hatte sogar das Fenster geöffnet, als auf einmal sich ein kurzer heller Streifen über den Himmel zog. Thomas Kinnlade klappte nach unten, dann folgte noch einer und noch einer. „Sternschnuppen? Zu dieser Zeit?“, dachte der junge Mann, aber er grübelte nicht länger darüber nach. Das Licht erwärmte seine Gedanken, obwohl er nicht daran glaubte dass seine Wünsche erfüllt wurden.
Denn es zeigte ihm, dass irgendwo da draußen jemand an ihn dachte.
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So, das war die dritte Advent Geschichte ^^ Ich hoffe, sie hat euch gefallen und erwärmt auch ein bisschen eure Gedanken
Danke für eure Danke-klicks ^^

Nächsten Sonntag folgt die vierte und letzte Geschichte von JP zum Thema Ankunft ^^
LG Saturna
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Alt 20.12.2015, 16:28
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Hier ist die Geschichte des vierten Advents ^^
Ich weiß, dass hier eigentlich jetzt eine von JP folgen müsste, aber dieser ist aus privaten Gründen leider verhindert :/
Trotzdem viel Spaß mit dem 4. Advent, die in bisschen undramatischer ausgefallen ist, als die letzten


4. Advent - Ankunft


Mit einem erleichterten Seufzer schickte Samuel seine E-Mail ab und ließ sich in seinen Bürosessel zurück fallen. Endlich fertig, die Arbeit war getan.
Während sein Computer hinunter fuhr, streifte er sich seine Jacke über und blickte aus dem Fenster. Durch die Eisblumen, die sich dort abgesetzt hatten, konnte er schemenhaft den regen Verkehr auf der Straße erkennen. Durch die vorbei fahrenden Autos stob der Schnee auf und hüllte die Füße der Passanten in eine weiße Wolke. Die meisten hatten eine Tasche bei sich, die mit Geschenken vollgestopft waren, die man auf den letzten Drücker besorgt hatte. Es war ein weihnachtliches Bild, das in Samuel ein schlechtes Gewissen hervor rief. Als er aus seinem Büro trat, zog er deswegen sein Handy aus der Manteltasche. Auf der Unterlippe kauend, wählte er die Nummer von zu Hause und hielt sich den Apparat ans Ohr. Es hupte zweimal, dreimal, bis seine Frau am anderen Ende der Leitung abnahm und sich mit ihrer beider Nachname meldete. „Ich bin endlich fertig! Ich komme jetzt nach Hause“, sagte er. „Sehr gut, ich habe gerade den Braten in den Ofen geschoben“, erwiderte sie mit sanfter Stimme und Samuel war froh, dass sie nicht sauer auf ihn war, dass er ausgerechnet am Heiligen Abend aus einem dringenden Grund noch ins Büro gefahren war.
Trotzdem hatte er schlimme Gewissensbisse, weswegen er seine Schritte in Richtung Tiefgarage nun verschnellerten „Lilly, es tut mir Leid, dass ich heute noch einmal arbeiten war, aber das Projekt und... und mein Chef...“, versuchte er sich nach kurzem Schweigen zu entschuldigen, doch seine Frau fiel ihm ins Wort. „Entschuldige dich nicht, ich kann dich verstehen. Außerdem wirst du zur Bescherung ja da sein.“, kurz lachte sie auf „Jana und Tina fragen schon die ganze Zeit nach dir!“ Es wurde ihm ganz warm, als er hörte, dass seine beiden kleinen Töchter ihn vermissten und er musste grinsen. „Ich liebe euch sehr!“, flüsterte Samuel. Er hörte ganz genau das Lächeln seiner Frau, als sie antwortete: „Wir dich auch, mein Schatz. Dann bis gleich“ „Bis gleich!“
Mit diesen Worten ließ Samuel den Motor an und manövrierte das Auto aus der Parklücke.
Schon als er die Tiefgarage verließ, bemerkte er, dass er länger brauchen würde als vermutet. Die Fahrzeuge krochen wie Schnecken dahin und je länger es dauerte, umso mehr hatte Samuel das Gefühl, dass ihm die Zeit davon lief. Jedes Mal, wenn er auf seine Uhr sah, waren erneut zehn Minuten vergangen und sein Herz zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass seine Frau und seine Kinder zu Hause auf ihn warteten.
Aber er wollte sie nicht anrufen, ihnen nicht mitteilen, dass es er es nicht schaffen würde. Er würde den enttäuschten Ton in der Stimme seiner Frau nicht ertragen können... Sie würde sagen, dass es schon okay wäre, doch er und sie wussten, dass es nicht so war.
Aber er kannte keine Abkürzung und als er auch noch von einem Unfall im Radio hörte, der die Verkehrssituation noch mehr verschlimmerte, wollte er schon nach seinem Handy greifen. „So ein verdammte Kacke!“, fluchte er, während er die Nummer wählte „Warum müssen ausgerechnet alle am Heiligen Abend noch durch die Stadt fahren?!“, schimpfte er als ihm bewusst wurde, dass er das gleiche auch tat. Seufzend tippte er die letzte Zahl „Da könnte man auch genauso gut...“
Plötzlich kam ihm eine Idee.


Lilly stand am Fenster und starrte in die Dunkelheit hinaus. Im Hintergrund dudelten kitschige Weihnachtslieder, die vier Flammen des Adventskranzes spiegelten sich im Fensterglas und sie hörte, wie Jana und Tina lachten. Sie betrachtete die Autos, die unter ihr vorbei fuhren und hielt bei jedem die Luft an, in der Hoffnung, dass es ihr Mann sei. Er hatte doch gesagt, dass er bald da sei, wo blieb er nur? Sie beschloss ihn anzurufen und drehte sich um.
„Mamaaaa, wann kommt Papa jetzt eigentlich?“, fragte ihre vierjährige Tochter Jana und hing sich an ihr Bein. Tina, die sechs Jahre alt war, stand hinter ihr und sah sie ebenfalls mit großen Augen zu ihrer Mutter hoch. Lilly atmete tief durch. „Der Papa, der braucht doch noch länger als wir dachten. Aber wenn ihr wollt, dann könnt ihr schon mit dem Essen anfangen.“, sagte sie und versuchte nicht traurig zu klingen. „Waaas?!“, riefen die beiden Mädchen wie aus einem Mund. „Ja, aber ich bin sicher, er wird gleich da sein!“ Lilly zwang sich zu einem Lächeln und nahm ihre beiden Kinder in die Arme, die sich danach enttäuscht in ihr Kinderzimmer davon machten. Als sie wieder aufschaute, fiel ihr Blick plötzlich auf einen einsamen Fußgänger, der eine Aktentasche bei sich trug und hektisch die Straße hinunter lief. Lilly war neugierig geworden, doch sein Gesicht konnte sie nicht erkennen. Sie kniff die Augen zusammen. Der Mann kramte in seiner Tasche, als würde er etwas suchen und als er fündig wurde, verschwand er unter eine Hausfassade, sodass Lilly ihn nicht mehr sehen konnte. Sie seufzte und konzentrierte sich weiter auf die vorbeifahrenden Autos. Sie stand noch einige Zeit so da, als sie plötzlich Lärm im Treppenhaus vernahm. Dann hörte sie, wie jemand die Wohnungstür öffnete.
Konnte es sein?! Sie hatte doch die ganze Zeit am Fenster gestanden?! Wo war das Auto?
Schon als sie noch durch das Wohnzimmer rannte, hörte sie, wie jemand ihren Namen rief, doch sie konnte die Stimme nicht zuordnen. Erst als sie ihn sah und ihm um den Hals gefallen war und Tina und Jana herbei gestürmt waren, um ebenfalls ihren Vater zu begrüßen, wurde ihr bewusst, dass es ihr Mann war, denn sie in den Armen hielt.
Die schönste Bescherung, die sie je hatten.

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Ich wünsche euch ein frohes Fest! ^^
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